„Weil Nettsein keine Schwäche ist – Ein Plädoyer für positives Hundetraining“
Immer wieder passiert es.
Ein Augenrollen hier, ein Spruch da.
„Ach, du bist eine von denen?“
Oder noch besser:
„Mit Leckerli kannst du dir halt keinen echten Gehorsam erkaufen.“
Wer sich bewusst für positives Hundetraining entscheidet, kennt solche Bemerkungen. Man wird belächelt, belabert oder gleich in eine Schublade gesteckt: „Die ist halt zu weich“, „Die hat ihren Hund nicht im Griff“, „Früher ging das auch ohne Kekse!“
Und wisst ihr was?
Ja, früher ging vieles ohne Kekse.
Ohne Respekt. Ohne Verständnis.
Und sehr oft auch ohne Vertrauen.
Was positives Training nicht ist:
Zuerst einmal: Positives Hundetraining bedeutet nicht, dass man alles durchgehen lässt, keine Grenzen setzt oder dem Hund 24/7 ein Buffet serviert. Es bedeutet nicht, dass man sich vom Hund auf der Nase herumtanzen lässt oder dass alles Friede-Freude-Fleischwurst ist.
Positives Training heißt:
Ich lehre durch Motivation statt durch Angst. Ich arbeite mit meinem Hund – nicht gegen ihn.
Ich suche die Ursache für Verhalten, statt nur das Symptom zu „korrigieren“.
„Aber in der Natur herrscht doch auch Dominanz!“
Ach ja, das Argument mit dem bösen „Alphawolf“, der sich alles nimmt und alle unterdrückt.
Die Ironie daran: Diese Dominanz-Theorie stammt aus völlig veralteten Studien an Wölfen in Gefangenschaft – kein Vergleich zu unseren Haushunden oder selbst zu freilebenden Wolfsrudeln. Aktuelle Forschung weiß es besser. Nur viele Menschen wollen es nicht hören, weil es unbequemer ist, sich selbst zu hinterfragen.
Warum ich mich trotzdem für diesen Weg entschieden habe?
Ich habe mich für diesen Weg entschieden, weil ich langfristig denke.
Weil ich gesehen habe, was Vertrauen leisten kann, weil ich verstanden habe, dass Kommunikation mehr bringt als Konfrontation und weil ich in die Beziehung zu meinem Hund investiere, nicht nur in seinen „Gehorsam“.
Ich will, dass mein Hund mir folgt, weil er will, nicht weil er muss.
Was ich mir wünsche?
Ich wünsche mir mehr Offenheit, mehr Dialog – und weniger Dogmatismus (im wahrsten Sinne des Wortes). Wir müssen nicht alle denselben Weg gehen. Aber wir sollten aufhören, andere Wege schlechtzureden, nur weil sie nicht den eigenen entsprechen.
Also ja, ich trainiere positiv.
Mit Verstand, mit Herz und mit viel Know-how. Und wenn das heißt, dass ich dabei belächelt werde – bitte sehr.
Ich weiß, wohin mein Weg führt:
Zu einem Hund, der mir vertraut.
Nicht, weil er Angst hat, sondern weil er sich sicher fühlt.
P.S.
Es ist einfach, laut zu sein, wenn man nicht zuhört.
Es ist stark, leise zu bleiben, wenn man es besser weiß

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