Mittelmaß für Mensch und Hund

Letzte Kommentare

Die nächste Hitzewelle steht vor der Tür. Und bevor jetzt wieder die Diskussion losgeht, ob der Hund trotz 37 Grad noch seine zwei Stunden Bewegung braucht: Nein. Manchmal braucht ein Hund nach mehreren heißen Tagen einfach Ruhe. Darüber haben wir vor ein paar Wochen ja schon gesprochen.

Aber dadurch ist mir wieder etwas aufgefallen.

Ich habe das Gefühl, wir messen bei unseren Hunden und bei uns selbst oft mit völlig unterschiedlichem Maß. Und das geht tatsächlich in beide Richtungen. Da gibt es die Menschen, für die der Hund irgendwie einfach “mitlaufen” muss. Ist ja nur ein Hund. Und dann gibt es die, die alles bis ins kleinste Detail perfektionieren wollen. Ich glaube, beides verfehlt das Ziel.

Jetzt höre ich schon den Ersten sagen: „Ja, aber Hunde brauchen doch ihre zwei Stunden Bewegung!“

Und soll ich euch als Sportlehrerin mal was verraten? Wenn ihr zwei Stunden mit eurem Hund spazieren geht, bewegt ihr euch automatisch auch zwei Stunden. Das ist doch großartig!

Aber danach geht’s oft noch weiter. Der Hund bekommt Nasenarbeit, Agility, Mantrailing, Fitnessübungen oder Physio. Und wir? Krafttraining? Keine Zeit. Yoga? Müsste ich eigentlich mal. Physio? Ach, das wird schon wieder.

Merkt ihr, worauf ich hinaus will?

Ich wünsche mir gar nicht, dass wir weniger für unsere Hunde tun. Ganz im Gegenteil! Ich wünsche mir nur, dass wir uns selbst manchmal genauso wichtig nehmen würden.

Das sehe ich übrigens auch bei der Ernährung. Ich habe tatsächlich schon Kunden erlebt, deren Hund Bio-Barf mit hochwertigem Gemüse, perfekt abgestimmten Zusätzen und einem bis ins Detail ausgearbeiteten Futterplan bekommt. Und was gibt’s bei Herrchen oder Frauchen? Tiefkühlpizza.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich freue mich über jeden Hund, der hochwertig ernährt wird. Das ist schließlich mein Beruf. Aber manchmal muss ich innerlich schon schmunzeln, wenn darüber diskutiert wird, ob heute Brokkoli oder Zucchini im Napf liegt, weil sich dadurch irgendein Nährstoff minimal verschiebt.

Und soll ich euch noch etwas verraten? Die wenigsten von uns könnten wahrscheinlich sagen, ob sie gestern selbst genug Eiweiß, Calcium oder Vitamin D aufgenommen haben. Hand aufs Herz: Wann habt ihr euch das letzte Mal so viele Gedanken über eure eigene Ernährung gemacht wie über die eures Hundes?

Und genauso ist es mit der Gesundheit. Humpelt der Hund, geht’s zum Tierarzt. Ist er verspannt, wird ein Physiotermin gemacht. Hat er Probleme im Alltag, suchen wir uns Unterstützung. Alles genau richtig! Aber wie oft laufen wir selbst seit Monaten mit Rückenschmerzen herum, schlafen schlecht oder stehen ständig unter Strom und sagen einfach: „Wird schon wieder.“

Dabei profitieren unsere Hunde unglaublich davon, wenn es auch uns gut geht. Sie merken, ob wir gestresst oder entspannt sind. Deshalb dürfen wir uns selbst ruhig dieselbe Fürsorge schenken, die wir unserem Hund ganz selbstverständlich geben.

Vielleicht müssen wir gar nicht immer nur fragen: „Was braucht mein Hund?“ Vielleicht sollten wir uns ab und zu auch fragen: „Was brauche eigentlich ich?“

Denn für mich ist genau das das gesunde Mittelmaß. Nicht weniger Fürsorge für den Hund – sondern mehr Fürsorge für uns selbst. Am Ende sind wir schließlich ein Team. Und in einem guten Team dürfen beide gut auf sich aufpassen.

🐾 Yoshi meint: „Wenn ihr bei 37 Grad keine Lust auf einen 10-km-Marsch habt – keine Sorge. Ich hatte die Idee ehrlich gesagt auch nicht.“

TAGS

Kategorien

Gesundheit

Keine Antworten bisher

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert