Hundepension

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Wer mich kennt, weiß, dass ich im Training gänzlich auf aversive Mittel verzichte. Aber müssen wir im Hundetraining wirklich immer nur belohnen oder muss auch eine Strafe mal zum Einsatz kommen?

Immer wieder sehe ich noch sehr viele Hundehalter und leider auch Trainer, die in einigen Situationen einfach nicht wissen, was sie machen sollen. Aus Hilflosigkeit der Halter wird in der Regel Strafe für den Hund (bspw. das Leinenrucken in bestimmten Situationen).

Ich möchte Euch heute einmal einen kleinen Einblick geben, was alles beachtet werden muss, wenn wir über Belohnung oder Strafe im Hundetraining anwenden.

Wenn wir mit Belohnung und Strafe im Hundetraining arbeiten, sollte uns erst mal klar sein, was das überhaupt ist.

Ich definiere wie folgt:

Strafe lässt ein Verhalten weniger auftreten.
Belohnungen lassen ein Verhalten vermehrt Auftreten.

Ich unterscheide im Training gern zwischen positiver Strafe/Verstärkung und negativer Strafe/Verstärkung.

Was bedeutet das genau?

Das bedeutet, ich kann etwas Angenehmes für den Hund hinzufügen oder wegnehmen. Genauso kann ich das mit etwas Unangenehmen. Ich kann also Belohnungen und Strafen hinzufügen (positiv) oder einfach wegnehmen (negativ).

Hier ein paar Beispiele:

Positive Strafe = Strafe hinzufügen

Was passiert? Ein Verhalten wird verringert.

Was ist als positive Strafe zu sehen?

Ein Tritt oder Schlag wäre eine positive Strafe, aber auch ein Leinenruck, ein Kneifen oder die Wasserflasche.

Leider ist diese Art des Trainings noch sehr weit verbreitet und wird uns gerade auch im Fernsehen von einem amerikanischen Hundetrainer immer wieder gezeigt.

Leider bleibt bei vielen Menschen immer nur hängen, dass es zu funktionieren scheint, denn in den Ausschnitten die uns gezeigt werden, unterlässt ein Vierbeiner plötzlich und ziemlich schnell ein unerwünschtes Verhalten.

Leider sehe ich immer nur Tiere, die das Gefühl von Angst erleben. Tiere die in eine erlernte Hilflosigkeit getrieben werden.

Dieses Training funktioniert nur, weil unser Vierbeiner Angst vor einer noch härteren Strafe hat. Genau deswegen lässt es ein Verhalten um so unserer Strafe zu entgehen. Nicht aber weil es gelernt hat, was wir von ihm wollen.

Positive Verstärkung = Belohnung hinzufügen

Was passiert? Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verhalten gern wieder gezeigt wird, steigt.

Wichtig ist aber hier zu wissen, dass nicht jede von mir gedachte Belohnung auch verstärkend wirkt. In vielen Situationen ist es eben nicht das Trockenfutterstück oder das Leckerchen, was ein Verhalten verstärkt. Hier sollte immer die Situation genau hinterfragt werden.

Denn ein Verhalten über Belohnung zu verstärken klappt nur dann wenn der Hund die Belohnung auch als Belohnung ansieht.

Klar, wie ihr wisst, arbeite ich viel über Futter, aber in meiner Trickkiste gibt es noch viel mehr. Denkt hier einmal an die Top 20 Belohnungsliste. Manchmal reicht es den Ort der Belohnung zu variieren, manchmal fliegt der Ball oder es wird gestreichelt. Belohnungen können so viel mehr als Futter sein.

Wichtig ist in diesem Fall, dass das Gefühl des Tieres Freude ist. Die Freude über die Belohnung lässt es lernen, das zu tun, wodurch diese Belohnung zu bekommen ist. Ein Verhalten wird also häufiger gezeigt.

Negative Verstärkung = etwas Unangenehmes fällt weg

Wenn ich etwas Unangenehmes für meine Fellnase wegnehme, fühlt das mein Hund Erleichterung. Das fühlt sich gut an, und daher wirkt es auf Verhalten verstärkend.

Was könnte als negative Verstärkung gesehen werden?

Wie oft sehe ich das Hundehalter ins Geschirr oder das Halsband ihres Hundes greifen. Gerade immer wieder in Begegnungssituationen. Das stellt eine massive Bewegungseinschränkung dar.

Setzt sich der Hund, wird der Griff gelockert. Dadurch wird sich der Hund in Zukunft schneller zurücknehmen, denn das hat sich gelohnt, die Bewegungsfreiheit ist wieder mehr geworden. Unsere Fellnase verspürt Erleichterung und genau diese lässt das Tier lernen, das zu tun, was ihm diese Erleichterung verschafft.

Negative Strafe = Belohnungen wegnehmen

Was passiert? Das Auftreten eines Verhaltens wird verringert.

Ein Hund, der gelernt hat, dass es für bestimmte Verhalten Belohnungen gibt, wird merken, wenn diese Belohnung nicht ausgepackt und verfüttert werden oder der geliebte Ball eben nicht fliegt. Es wird also dem Vierbeiner etwas vorenthalten, was er eigentlich gerade erwartet und er sehr gern hat. Diese Enttäuschung sieht man vielen Hunden sogar an.

Negative Strafe fühlt sich für unsere Hunde also nicht schön an und wirkt damit hemmend auf bestimmte vom Hund sonst gezeigte Verhaltensweisen, was bedeutet, das diese eben auch weniger gezeigt werden.

Zusammenfassend können wir also Verhalten durch positive Verstärkung (Belohnung wird hinzugefügt) und durch negative Verstärkung (Strafe/Unangenehmes wird weggenommen) ganz gezielt beeinflussen.

Die Gefühle daraus sind Freude und Erleichterung.

Und wir können Verhalten durch positive Strafe (Strafe wird zugefügt) und durch negative Strafe (Belohnung wird weggenommen) verringern. Die Effektivität der Beiden Dinge solltet Ihr aber immer mal wieder hinterfragen. Nachhaltig sind sie leider nicht, da die Gefühle, welche unsere Vierbeiner hier erfahren Angst und Enttäuschung sind.

Oft erlebe ich Hunde, die über diese Art und Weise erzogen wurden, als tickende Zeitbombe. In meinen Augen sollte Ein Hund nicht aus Angst hören, sondern hören wollen und dazu braucht es Spaß. Arbeite ich als Halter über aversive Mittel bin ich selbst einfach nur hilflos. Oder warum rucke ich sonst an meinem Hund rum?

Wie oben erwähnt ist Strafe aber viel mehr als nur Schläge. Auch in unserem Alltag, in unserer Umwelt finden wir immer wieder Formen von Strafe. Diese gilt es zu erkennen. Vorausschauendes Hundetraining ist gar nicht so schwer!

Habt Ihr eine Fellnase zu Hause, welche z.B. die Nähe anderer Hunde als unangenehm empfindet, ist die Nähe zu ihnen eine Strafe für den eigenen Vierbeiner. Oft erleben wir in solchen Situationen, dass unser Hund kein Futter mehr nimmt. Aber warum tut er das nicht?

Weil er es gerade nicht kann! In stressigen Situationen sind entspannte Verhaltensweisen wie Fressen, toben oder Spiel einfach gehemmt. Mir zeigt es, dass ich dann mehr Abstand in eine Situation bringen muss. Bringe ich Abstand in bestimmte Situationen wirkt dieses belohnend. Das heißt hier ist auch der Abstand der Verstärker, hier braucht es keinen Keks.

Auch wenn immer wieder alle denken, positives Training heißt, den Hund in allen Lebenslagen nur mit Futter vollzustopfen, ist der Verstärker hier Abstand zum Auslöser.

Fühlt sich mein Hund nicht wohl in der Nähe eines anderen Vierbeiners verschaffe ich ihm also Erleichterung, indem ich den Abstand einfach etwas größer mache. Und nein, Abstand heißt hier nicht immer einen riesen Bogen zu laufen, manchmal reicht ein kleiner Schritt aus der Schussbahn und schon läuft alles super gut. Kenne ich die Probleme meines Hundes gut, kann ich im Vorfeld viele Situationen managen. D.h. ich gebe meinem Hund gar keinen Grund unerwünschtes Verhalten zu zeigen.

Wenn mein Hund nämlich versteht, was ich von ihm erwarte wird das unerwünschte Verhalten gar nicht erst auftreten. Dafür muss er aber verstehen was ich von ihm will. Daher baue ich Training z.B. an Begegnungen immer sehr kleinschrittig auf. Was nicht bedeutet, dass man immer flüchten muss, wenn eine andere Fellnase am Horizont auftaucht.

Im Idealfall ist mein Abstand dann nur so, dass ich die negative Strafe gar nicht anwenden muss.

Und jetzt frage ich Euch, wie würdet Ihr am liebsten lernen?

Ich bin tatsächlich sehr überzeugt davon, dass es sich mit Angst und Enttäuschung nicht gut und vor allem nicht nachhaltig lernen lässt.

Training sollte Freude und Spaß bringen und nichts mit negativen Emotionen zu tun haben.

Ich liebe es, wenn die Reaktionen meiner Vierbeiner auf meine Signale hin schnell und freudig ausgeführt werden. Genau diese Freude, welche mir meine Vierbeiner in unserem Alltag immer wieder zeigen, machen den Einsatz von positiver Verstärkung so lohnenswert. Aber natürlich gibt es hier noch andere Gründe, warum ich nur nach diesen Prinzipen arbeite.

Solltet Ihr über Strafe arbeiten, macht Euch bitte einmal bewusst, dass richtig Strafen gar nicht so einfach ist, wenn sie wirklich ein Verhalten abstellen oder verringern soll. Denn nur richtig angewendet funktionieren diese Strafen auch. Ich persönlich traue mir nicht zu, über positive Strafe zu arbeiten und ich will es auch gar nicht!!! Warum meinen Hund treten, kneifen, mit Wasser bespritzen oder zurückreissen, wenn es auch anders und vor allem freundlich geht.

Positive Strafen sind nicht nur veraltet, sie sind auch zum Teil sehr tierschutzrelevant. Und da rede ich auch vom üblichen Leinenruck.

Er ist Tierschutzrelevant, weil er vermeidbare Schmerzen verursacht, und zusätzlich nicht mal das Ziehen verringert.

Viel zu oft höre ich, dass diese Strategie schon ewig gefahren wird und sich nichts ändert.

Über Strafen zu arbeiten ist in den meisten Fällen tatsächlich ein Umweg. Auch wenn man augenscheinlich das Ziel viel schneller erreicht.

Doch nur weil die Strafe vielleicht ein Verhalten verringert (hier rede ich meistens von gehemmten Verhalten) hat, ist noch lange kein gutes Verhalten aufgebaut. Und das vergessen leider viele. Wir strafen, ohne dem Hund zu zeigen was wir eigentlich von ihm wollen. Es muss also unbedingt ein Alternativverhalten aufgebaut werden.

Warum aber erst strafen? Ist es nicht viel schöner, der Fellnase auf freundliche Weise eine Alternative zu zeigen?

Auch wenn es immer viele nicht hören wollen, gerade auch, weil diese Art des Trainings im Fernsehen ja immer wieder funktioniert, die positive Strafe hat Nebenwirkungen. Und das nicht zu knapp.

Nicht selten werden gerade Schreckreize als gewaltfrei angepriesen. Was ist schon schlimm an einer Rappeldose oder einem Kniff in die Flanke?

Hier sollte immer daran gedacht werden, dass wir nicht in einer Laborsituation leben und auch andere Dinge mit diesen Schreckreizen verknüpft werden können.

Hier erinnere ich mich immer wieder gern an meinen Hund Argo. Dieser wurde leider noch mit Schreckreizen von mir erzogen. Ich wusste es einfach nicht besser zur damaligen Zeit.

Meine damalige Trainerin empfahl mir, bei Leinenpöbelein den Schlüssel neben meinen Hund zu werfen, dieser sollte meinen Hund erschrecken und er sollte sein unerwünschtes Verhalten sein lassen.

Ich warf also den Schlüssel nach meinem Hund weil er unerwünschtes Verhalten zeigte, was ich aber nicht wusste war, dass mein Hund nicht nur sein Verhalten damit verknüpfte, sondern alles im Umfeld auch, zum Beispiel Menschen, die er sieht, ein Geräusch, Kinder, einen Hund, einen über ihn fliegenden Vogel….

Was soll ich sagen, mein Problem an der Leine hat es damals nicht behoben. Andere, mir entgegenkommende Hunde wurden ebenfalls mit dem Schreckreiz verknüpft und das Verhalten wurde schlimmer, neue Verhaltensmuster entstanden.

Wie oben bereits gesagt, leben wir nicht in einem Labor, indem die positive Strafe tatsächlich gut funktioniert und genau daher vermeide ich sie, wann immer es möglich ist. Und das ist tatsächlich so gut wie immer!!!! Management, Geduld und Zeit heißen hier die Zauberwörter.

Bitte habt Geduld im Hundetraining. Versucht möglichst vorausschauend im Training zu arbeiten und Fehlverhalten möglichst gar nicht aufkommen zu lassen!

Bringt Euren Hund im Training dazu, gern mit Euch arbeiten zu wollen und nicht zu müssen, nur so ist Hundetraining nachhaltig effektiv.

Bei Fragen zu Trainingswegen meldet Euch gern, ich stehe Euch gern helfend zur Seite.

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