„Nur positiv? Das funktioniert bei meinem Hund nicht.“

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Ach so, dein Hund ist also das erste Lebewesen auf diesem Planeten, bei dem Lernen plötzlich nicht mehr funktioniert, spannend.

Die Gesetze der Lerntheorie gelten für Mäuse, Delfine, Pferde, Papageien, Menschen… aber der Hund hat offenbar erfolgreich Einspruch eingelegt.
Wir hören immer wieder: „Nur positiv klappt bei meinem Hund nicht.“
Meine Gegenfrage lautet meistens:
Was verstehst du eigentlich unter “positiv”?

Denn erstaunlich viele glauben, positives Hundetraining bedeutet:

  • Der Hund darf alles.
  • Es gibt keine Regeln.
  • Grenzen sind verboten.
  • Und wenn er gerade Oma umrennt, wirft man ihm noch ein Leckerli hinterher.

Nein, einfach nein, so trainiert niemand, der sich ernsthaft mit positiver Verstärkung beschäftigt. Natürlich setze ich Grenzen.

Ich verhindere, dass mein Hund Erfolg mit unerwünschtem Verhalten hat.
Ich sichere ihn.
Ich führe ihn.
Ich stoppe ihn.
Ich beende Situationen.
Ich schaffe Distanz.

Weißt du, was ich nicht mache?

Ich glaube nicht, dass Einschüchterung plötzlich Verständnis erzeugt.
Denn nur weil ein Hund etwas nicht mehr zeigt, heißt das noch lange nicht, dass er gelernt hat. Vielleicht hat er einfach gelernt: „Mach das lieber nicht, sonst wird’s unangenehm.”

Das Problem? Die Emotion dahinter ist oft immer noch dieselbe.

Angst.
Frust.
Stress.
Unsicherheit.

Die verschwinden nämlich nicht, nur weil man laut genug wird. Und jetzt kommt der eigentliche Unterschied: Ich sage meinem Hund nicht nur: „Lass das“, sondern ich zeige ihm: „Mach stattdessen DAS.“ und genau dieses Verhalten verstärke ich.

Denn Lernen besteht nicht darin, Fehler zu bestrafen. Lernen besteht darin, gute Entscheidungen wahrscheinlicher zu machen.

Und nein…

Positive Verstärkung bedeutet nicht, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Sie bedeutet, Konflikte fair zu lösen.

Mit klaren Regeln.
Mit Management.
Mit Konsequenz.
Mit Timing.

Aber eben ohne Gewalt, Einschüchterung oder den Glauben, dass Härte automatisch Kompetenz ersetzt.

Mein Hund hat Grenzen.

Sogar ziemlich viele, der Unterschied ist nur: Er hält sie ein, weil er sie verstanden hat und nicht weil er Angst davor hat, was passiert, wenn er sie überschreitet.

Und falls jetzt wieder jemand schreibt:
„Bei meinem Hund geht das aber nicht.“

Dann liegt das vermutlich nicht daran, dass positive Verstärkung nicht funktioniert. Sondern daran, dass sie häufig mit Beliebigkeit verwechselt wird.

Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Und dann kommt noch das Lieblingsargument:

„Das mag ja bei einem Labrador funktionieren. Aber nicht bei einem Malinois, Terrier, Herdenschutzhund oder Jagdhund.“

Doch. Auch bei diesen Rassen funktionieren die Gesetze der Lerntheorie. Was sich unterscheidet, ist nicht ob ein Hund lernt, sondern was ihn motiviert, wie schnell er Entscheidungen trifft und welche genetischen Veranlagungen er mitbringt.

Ein Herdenschutzhund wurde über Generationen darauf selektiert, eigenständig Entscheidungen zu treffen. Ein Terrier gibt nicht beim ersten Widerstand auf. Ein Jagdhund bringt oft eine enorme Motivation für Wild mit. Ein Malinois besitzt häufig ein hohes Erregungsniveau und eine große Arbeitsbereitschaft.

Das macht das Training anspruchsvoller – aber nicht unmöglich.

Gerade bei solchen Rassen braucht es einen Trainer, der Verhalten versteht, Motivation sinnvoll nutzt, Management einsetzt und Trainingsschritte sauber aufbaut. Nicht jemanden, der glaubt, fehlendes Wissen mit mehr Druck ersetzen zu können.
Wer behauptet, eine bestimmte Rasse brauche Härte, verwechselt häufig Gehorsam mit Verständnis.

Natürlich muss ich einen Hund manchmal stoppen. Natürlich gibt es Regeln. Natürlich gibt es Konsequenzen. Aber Konsequenz bedeutet nicht Einschüchterung. Ein Hund hält sich nicht deshalb zuverlässig an Regeln, weil er Angst vor seinem Menschen hat. Wirklich zuverlässiges Verhalten entsteht dann, wenn sich das gewünschte Verhalten für den Hund lohnt, verständlich aufgebaut wurde und auch unter Ablenkung immer wieder erfolgreich geübt werden konnte.

Rassen bringen unterschiedliche Talente und Herausforderungen mit. Sie ändern aber nicht die Grundlagen des Lernens.
Denn Gene bestimmen Veranlagungen – sie setzen die Lerntheorie nicht außer Kraft.

Ich finde, genau dieser Punkt wird oft vergessen: Je anspruchsvoller die Rasse, desto wichtiger wird gutes Training – nicht härteres Training. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

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