Warum Hundetraining manchmal nicht funktioniert

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Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster: Die meisten Hunde scheitern nicht am Training. Sie scheitern an ihren Menschen.

Bevor jetzt die ersten empört in die Kommentare stürmen: Ja, natürlich gibt es Hunde mit gesundheitlichen Problemen, Traumata oder genetischen Voraussetzungen, die Training erschweren. Aber mal ehrlich – das erklärt längst nicht jeden Fall. Einer meiner Lieblingssätze lautet: „Der Trainer konnte meinem Hund nicht helfen.“ Spannend ist nur, dass davor meistens schon drei andere Trainer „nichts konnten“ und der vierte gerade gesucht wird. Irgendwann stellt sich mir dann doch eine Frage: Sind wirklich alle Trainer unfähig … oder möchte einfach niemand hören, dass Veränderung bei einem selbst beginnt?

Versteht mich nicht falsch: Natürlich muss ein Trainer fachlich und menschlich passen. Nicht jeder Trainingsstil ist für jeden Menschen geeignet. Deshalb ist ein Trainerwechsel manchmal absolut sinnvoll. Aber wenn man alle paar Monate den Trainer wechselt, die Hausaufgaben nie wirklich umsetzt und anschließend über jeden einzelnen lästert, findet man irgendwann nicht den falschen Trainer – sondern wird selbst zum gemeinsamen Nenner. Denn seien wir ehrlich: Den Trainer zu wechseln ist deutlich einfacher, als sich selbst zu verändern.

Der Hund soll nicht mehr ziehen, aber jedes Stehenbleiben nervt. Der Hund soll Menschen ignorieren, aber Oma darf ihn selbstverständlich kreischend begrüßen. Der Hund soll nicht mehr anspringen, aber „bei mir macht das nichts.“ Doch. Dem Hund schon.

Und dann kommt mein absoluter Favorit: „Wir haben wirklich ALLES ausprobiert.“ Ach wirklich? Nach fünf Minuten Gespräch bedeutet „alles“ dann meistens: einmal pro Woche Training, Hausaufgaben eher als unverbindliche Leseempfehlung, zwischendurch Tipps vom Nachbarn, drei TikTok-Videos, zwei Fernsehsendungen und das, was sich gerade spontan richtig angefühlt hat. Das ist nicht „alles ausprobiert“. Das ist methodisches Chaos mit WLAN.

Verhalten verschwindet übrigens auch nicht, weil wir es blöd finden. Der Hund springt Menschen an? Er bekommt Aufmerksamkeit. Der Hund bellt am Gartenzaun? Ziel erreicht – die Leute gehen weiter. Der Hund zieht zur Hundewiese? Perfekt. Er kommt jedes Mal dort an. Aus Hundesicht läuft der Laden. Dann heißt es: „Mein Hund hört einfach nicht.“ Doch. Er hört schon. Nur leider hört er vor allem auf das, was sich für ihn lohnt. Dass ein Hund ein Signal verstanden hat, bedeutet noch lange nicht, dass er es unter Ablenkung zuverlässig zeigt. Das entsteht nicht über Nacht und auch nicht durch Hoffen, sondern durch unzählige Wiederholungen.

Hundetraining ist kein Netflix-Abo. Man kann nicht einmal pro Woche eine Stunde konsumieren und erwarten, dass sich die restlichen 167 Stunden wie von Zauberhand erledigen. Das wäre ungefähr so, als würde man einmal pro Woche ins Fitnessstudio fahren, sich mit einem Eiweißshake auf die Bank setzen, anderen beim Trainieren zusehen und sich anschließend beschweren, dass das Sixpack immer noch auf Lieferverzögerung hat.

Und jetzt kommt der Teil, den viele nicht hören möchten: Wir Trainer erziehen eure Hunde nicht. Das macht ihr. Jeden einzelnen Tag. Wir sehen euch vielleicht eine Stunde pro Woche. Die übrigen 167 Stunden verbringt euer Hund mit euch. Genau dort entscheidet sich, ob Training funktioniert oder nicht. Wir können euch zeigen, wie Lernen funktioniert. Wir können Trainingspläne schreiben, Fehler erkennen, Verhalten erklären und euch die passenden Werkzeuge an die Hand geben. Aber benutzen müsst ihr sie selbst. Kein Trainer der Welt kann sieben Tage Training in einer Stunde ersetzen. Wenn ihr nach jeder Trainingsstunde nach Hause geht und wieder alles macht wie vorher, trainiert ihr euren Hund genauso weiter wie bisher – nur eben in die falsche Richtung.

Deshalb ist Hundetraining so selten Hundetraining. Es ist Menschentraining. Der Erfolg entsteht nicht auf dem Hundeplatz. Er entsteht montagmorgens beim ersten Spaziergang, mittwochs an der Haustür, freitags in der Hundebegegnung und sonntags beim Familienbesuch.

Die Wahrheit ist unbequem: Der beste Hundetrainer der Welt kann euren Hund nicht für euch erziehen. Wir zeigen euch den Weg. Gehen müsst ihr ihn selbst. Wer erwartet, dass eine Stunde Hundeschule 167 Stunden Alltag ersetzt, sucht keinen Trainer – sondern ein Wunder. Und falls jemand so eins findet, sagt bitte Bescheid. Wir Trainer würden es nämlich auch gern kennenlernen.

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